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Heinz Karl GRUBER


Biografie

1961 Kontrabassist des Ensembles die reihe, 1963 - 1969 beim NÖ Tonkünstlerorchester, 1968 Gründung des Ensembles MOB art & tone ART mit Kurt Schwertsik und Otto M. Zykan, ab 1969 als Kontrabassist (und auch Chansonnier) beim ORF-Symphonieorchester/RSO Wien; als Chansonnier und Dirigent Zusammenarbeit mit dem Ensemble die reihe, dem Ensemble Modern, der London Sinfonietta, dem Scottish Chamber Orchestra, dem Radiosinfonieorchester Frankfurt, dem Residenzorchester Den Haag u. v. a.

1953-1957 Wiener Sängerknabe, 1957-1963 MHS Wien: Kontrabass (Alfred Planyavsky, Ludwig Streicher), Horn, Elektronik, Filmmusik, Tanz, Komposition (Alfred Uhl, Erwin Ratz), Zwölftontheorie (Hanns Jelinek), Studien bei Gottfried von Einem

Stil

Heinz Karl Gruber entzieht sich jeglicher Einordnung ebenso schnell, wie die Kulturexperten sie vornehmen können. Neoromantisch, neotonal, neoexpressionistisch, neuwienerisch: keines dieser Etiketten paßt auf ihn, vielmehr ist er ein empfindungsfähiger (und rundum vollendeter) Komponist, welcher auf jeden musikalischen Stimulus reagiert, der ihm begegnet, sei er nun anspruchsvoll oder anspruchslos, zwölf- oder siebentönig, bitter oder süß, und welcher sich zu keiner Äußerung mit aufgesetztem musikalischen Akzent verleiten läßt. Seine Wiener Herkunft war in bezug auf sein Schaffen allerdings immer ein zentraler, entscheidender Faktor. Die großen Wiener Klassiker von Haydn bis Berg stecken ihm natürlich im Blut, genau wie die Wiener Volksmusik; das bezeugt Charivari, das Österreichische Journal für Orchester, das auf Perpetuum Mobile von Johann Strauß (Sohn) basiert. Diverse Anklänge von Revue und Pop ziehen sich durch fast alle Kompositionen Grubers, von den gemäßigt angelegten (aber eigentümlich an die Brandenburgischen Konzerte gemahnenden) Drei MOB Stücken bis hin zum meisterhaften Gelb Concerto in einem Satz. Der einprägsame Popsong, der sich am Ende des streng aufgebauten Violinkonzerts »... aus schatten duft geweht« entspinnt, stammt ganz aus der Feder des Komponisten (nun ja, man munkelt, daß Franz Xaver Gruber, der Urheber von Stille Nacht, sein Vorfahr sei) und nimmt ähnliches Gewicht und Schärfe an wie der entlehnte Bachchoral am Ende des Violinkonzerts von Alban Berg. Zudem besticht Grubers Werk (später bearbeitet, um den abschließenden paradiesischen Popsong auszudehnen) unter vielen anderen faszinierenden Eigenschaften durch die Mühelosigkeit, mit der es die stilistischen Welten Bergs und Strawinskys zusammenfügt, die chromatische und die diatonische, die expressionistische und die neoklassische. Grubers bislang berühmt-berüchtigtstes Werk ist sein Melodram im Sinne der »schwarzen Romantik«, das »Pan-Dämonium« Frankenstein!!, das von einer anderen Wiener Besonderheit bestimmt wird - von einem schwarzen Humor, der entschieden verschärft wird, wenn der Komponist persönlich den Chansonnier-Solisten abgibt. Der Fernsehfilm Bring me the head of Amadeus, unter der Regie von Barrie Gavin als Huldigung zum zweihundertsten Todestag seines Landsmannes Mozart von Gruber erdacht, vertont und dargestellt, hat Teil an dieser Stimmung [...]. In welche Musikerrolle Gruber auch schlüpft (Komponist, Dirigent, Chansonnier, Schauspieler, Kontrabassist) und was für stilistische Zutaten er in seinen Werken auch verwenden mag, er bleibt unverwechselbar er selbst: eines der erstaunlich originellen und gebieterischen Talente der Nachkriegsmusik.

Paul Driver, 1992
© mica

Publikationen

Orchester- und konzertante Werke, Kammermusik, Vokalwerke, Musikdramatische Werke, „MOB art & tone ART“

Zahlreiche Aufführungen weltweit

Rundfunk- und Fernsehaufnahmen, zahlreiche Tonträger

Verlage: Boosey & Hawkes, Doblinger, edition modern

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